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Interview zur Aktion "Eine Million Sterne" 2021 mit unserer Geschäftsführerin Gudrun Schemel

Im Gespräch mit Jens Künster gibt die Geschäftsführerin Gudrun Schemel Einblicke zur diesjährigen Solidaritätsaktion und erklärt, was Eine Million Sterne so besonders macht.

Die bundesweite Aktion findet am 13. November 2021 statt und wird ab 17:00 Uhr auf unserem Instagram Kanal live übertragen: caritasverband_loerrach

Eine Million Sterne 2021

Künster: Frau Schemel, schön, dass Sie sich Zeit genommen haben für das Interview. Was ist eine Million Sterne und was macht die Aktion besonders?

Schemel: Eine Million Sterne ist eine gemeinsame Aktion der örtlichen Caritas Verbände und der Pfarrgemeinden in Zusammenarbeit mit Caritas International - dem Auslands Hilfswerk des Deutschen Caritasverbands. Bei der Aktion, sind wir schon zum 15. Mal dabei. Indem öffentliche Plätze mit Kerzen illuminiert werden, wollen wir damit ein gemeinsames Zeichen der Solidarität senden. Bei dieser Aktion werden auch Spenden gesammelt, die zur Hälfte an Caritas International gehen, womit Projekte in der Auslandshilfe unterstützt werden. Die andere Hälfte verbleibt bei den örtlichen Caritasverbänden.
Das besondere Merkmal ist das, dass diese Aktion am zweiten Samstag im November Deutschlandweit an 80 Standorten stattfindet. Der Beginn war 1984 in Frankreich. Zwischenzeitlich ist es eine internationale Aktion geworden. Allerdings findet die Aktion in den einzelnen Ländern an verschiedenen Terminen statt.

Künster: Können Sie noch mehr zur Historie von 1 Million Sterne sagen; wie ist das entstanden und wie ist es dann gewachsen über die Jahre?

Schemel: Die Caritas im Landkreis Lörrach war von Anfang an dabei, als diese Aktion in Deutschland ins Leben gerufen wurde und es sind kontinuierlich immer mehr Veranstalter mit dazugekommen.

Künster: Diese beeindruckende Zahl an Organisation und vor allen Dingen auch der Menschen, die dahinterstehen und das tragen, zeigen, wie groß doch die gemeinsame Solidarität ist. Darauf hat auch unsere Landrätin, Frau Marion Dammann abgezielt in ihrem Grußwort, was sie uns zugesandt hat. Warum ist denn Solidarität gerade heute besonders wichtig?

Schemel: Solidarität war schon immer wichtig und ist heute weiterhin wichtig. Was sich seit Pandemiebeginn noch mal besonders gezeigt hat ist, dass wir alle aufeinander angewiesen sind als Menschen. Solidarität zeigt sich natürlich nicht nur hier im Kleinen und im nationalen Rahmen, sondern auch in weltweitem Bezug. Und auch die Pandemie hat gerade deutlich gemacht, dass wir ohne eine weltweite Solidarität diese Notsituation nicht überwinden können. Und so ist es mit vielen anderen sozialen Themen natürlich auch.

Künster: Können Sie daran anknüpfend auch noch mal eine Million Sterne in den generellen Gedanken von ‚Was ist „Caritas“ und was macht die Caritas aus‘ einordnen? Denn als Organisation sagen wir ja Caritas ist eine Grundhaltung gegenüber Menschen – und vor allen Dingen auch gegenüber Menschen in Not.

Schemel: Ja, das ist die ureigenste Aufgabe der Caritas: Menschen in Not zu helfen! Und das ist ja ein solidarisches Verhalten. Und wir verstehen uns natürlich auch nicht nur als Organisation die solidarisch ist, sondern auch als solche, die sich als Stifter von Solidarität versteht. Menschen werden durch unser Wirken angeregt, untereinander solidarisch zu sein. Und da ist natürlich gerade eine Million Sterne sehr geeignet, weil immer wieder Menschen, die dann an diesen öffentlichen Plätzen vorbeikommen und das Lichtermeer sehen und mit uns und den Mitarbeiter*innen ins Gespräch kommen, dann von dieser Aktion erfahren. Sie erfahren dann etwas über Nöte, über die sie vielleicht bisher gar nicht viel gewusst haben.

Künster: Wie sind die Reaktionen der Menschen, mit denen man ins Gespräch kommt? Haben Sie das Gefühl, dass man wirklich die Flamme, die diese Aktion trägt, auch weitergeben kann und dieses Feuer weiter entfachen kann?

Schemel: Ja, also die Erfahrungen sind unterschiedlich, da auch die Menschen unterschiedlich sind.
Es gibt Menschen, die kommen ganz bewusst als Zuschauer zur Aktion eine Million Sterne. Gerade der Moment, wenn die Kerzen entzündet werden, ist immer ganz besonders und berührt daher die Anwesenden.
Es gibt viele Menschen, die uns unterstützen und auch großzügig für die Projekte spenden. Genauso gibt es solche, die in dem Moment nur ihre eigene Not sehen und dann z. B. auch Fragen stellen wie: Wer kümmert sich denn um mich und warum müssen wir das Ausland unterstützen, wenn es doch bei uns auch Armut gibt? Und ich finde das immer sehr herausfordernd, aber auch sehr spannend, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen.

Künster: Sie hatten eingangs schon erwähnt, dass es ein besonderes Merkmal von einer Million Sterne ist, dass man eben beides, also einerseits die internationale Hilfe fördert und andererseits Menschen hier vor Ort hilft. Das ist ja dann die Antwort auf solche Reaktionen aus der Bevölkerung. Vielleicht können Sie deshalb da noch mal ein etwas genauer drauf eingehen. Also was wird denn konkret hier lokal mit den Spendengeldern gemacht? Können Sie da ein paar Beispiele nennen?

Schemel: Die Spenden gehen unmittelbar an hilfebedürftige Menschen. Als Caritasverband sind wir in der sozialen Arbeit immer froh, wenn wir zusätzliche Mittel haben, um besonders Bedürftige direkt und ohne bürokratische Hürden unterstützen zu können. Sei es mit Lebensmittelgutscheinen, oder mit Bargeld für dringend nötige Anschaffungen, die aufgrund der finanziellen Notlage sonst nicht zu stemmen wären. Das kann ein Bett sein für das Kind einer alleinerziehenden Mutter, die unverschuldet in Not geraten ist.

Künster: Wenn wir praktische Hilfe hier vor Ort im Landkreis Lörrach leisten, wie sind denn die Reaktionen? Erfahren wir auch Dankbarkeit?

Schemel: Uns ist wichtig, dass die Hilfe dort ankommt, wo sie wirklich gebraucht wird. Und die Menschen, die wir hier unterstützen, sind in der Regel bereits bei uns in Beratung. Oft haben sie neben finanziellen Problemen weitere Nöte. Durch den langen und engen Kontakt wissen wir über die finanzielle Situation Bescheid und können sicherstellen, dass die Spendengelder sinnvoll eingesetzt werden. Wir erfahren in diesen Beratungsgesprächen auch oft enorme Dankbarkeit und merken, dass wir wirklich zu einer Entlastung beitragen können.
Dabei erfahren wir ausdrücklich nicht nur Dankbarkeit für finanzielle Unterstützung, sondern auch für unsere psychosozialen Angebote. Für unsere Klient*innen ist es wichtig, dass jemand da ist und zuhört und sich ihrer Nöte ganzheitlich annimmt.

Künster: Dieses Jahr findet eine Million Sterne bereits zum zweiten Mal digital statt. Können Sie Blick zurück auf das vergangene Jahr ein Zwischenfazit ziehen? Wie lief es letztes Jahr? Und finden Sie es schade, dass die Aktion in der virtuellen Welt stattfindet? Oder sehen Sie auch positive Punkte?

Schemel: Ich persönlich finde es schade, dass die Solidaritätsaktion wieder nur in der virtuellen Welt stattfinden kann.  
Auch an Unterstützung und Spenden ist in den Vorjahren mehr zusammengekommen, als wir Eine Million Sterne auf dem Alten Marktplatz in Lörrach haben stattfinden lassen. Am Standort unseres Gebäudes, von wo aus die virtuelle Aktion übertragen wird, gibt es keine Laufkundschaft, kein Publikumsverkehr und durch die Pandemie Bedingungen ist ein direkter Kontakt auch leider nicht möglich. Und weil ich dies sehr schade finde, kann ich der ausschließlich virtuell stattfindenden Aktion nichts viel Positives abgewinnen. Ein Gewinn für die Zukunft wäre, die beiden Welten miteinander zu verbinden: Wenn also die Veranstaltung wieder auf einem öffentlichen Platz, wie zum Beispiel dem Alten Marktplatz stattfinden kann,  übertragen wir das Event live in den Sozialen Medien. Das wäre, künftig die optimale Lösung um die analoge und digitale Welt zu verbinden.

Künster: Ich bedanke ich mich bei Ihnen für das Interview.

Schemel: Sehr gerne!