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Besondere Biografie eines jungen Menschen

Die Badische Zeitung berichtet über einen besonderen jungen Mann aus dem Landkreis Lörrach, der über Jahre im Rahmen unserer Jugendarbeit begleitet wurde.

"Wie hast Du das geschafft?", die Frage hört Bilal Isler immer wieder. Und er erzählt seine Geschichte gern. Tatsächlich scheint der Weg für den Sohn kurdischer Flüchtlinge in den deutschen Polizeidienst weit. Er hat sich damit einen Traum erfüllt. Als er 1997 zur Welt kam, waren seine Eltern gerade aus politischen Gründen aus der Türkei geflohen und lebten in der Flüchtlingsunterkunft in Rheinfelden. Kurz danach wurde die Familie nach Efringen-Kirchen verlegt. Er hat den Kindergarten bei der Christuskirche besucht, dort sein erstes Deutsch gelernt.

An die Schulzeit hat er wenig gute Erinnerungen. "Ich wurde Kanake genannt, da gab es so typische Sprüche, und im Sportunterricht wählte mich keiner in ein Team", erzählt er. Im Rückblick erklärt er sich das so, dass Menschen mit Migrationshintergrund damals in Efringen-Kirchen einfach noch selten waren. Ganz anders als heute. Heute würden ausländische Jugendliche nicht mehr so ausgegrenzt, hält er fest.

Seine Eltern ließen sich von Widrigkeiten nicht drausbringen. Und sie vermittelten ihm klare Werte. "Grüß die Leute, sei allen gegenüber respektvoll, sei freundlich, gehe deinen Weg", das hätten sie ihm immer wieder gesagt und das habe ihn, aber auch seine fünf Geschwister geprägt, macht er deutlich. Und er sieht die Haltung der Eltern auch im muslimischen Glauben begründet. Auch er selbst ist gläubig: "Was immer ich tue, ich weiß, dass es Gott sieht."
In der schwierigen Teenagerzeit jedoch, in der er sich so oft ausgegrenzt fühlte, wurde das Jugendzentrum für ihn zum sicheren Hafen. Das JuZ habe er von der Schule aus im Blick gehabt, erzählt er. Nachdem er den Jugendsozialarbeiter kennengelernt hatte, ging er öfter hin. Dort konnte er offen über seine Probleme in der Schule oder auch in der Enge der Flüchtlingsunterkunft reden. Dort fand er seine ersten deutschen Freunde.

"Ruhig bleiben und reden" ist seine Devise

Mit 15 Jahren schloss Bilal Isler die Hauptschule ab und begann bei Rewe die Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann. Bald stieg er zum stellvertretenden Filialleiter bei Rewe in Haltingen auf. Aber da gab es ja noch seinen Traum, Polizist zu werden. Und nach der Heirat mit seiner kurdischen Frau, die er beim Türkeiurlaub kennengelernt hatte und mit der er heute in Eimeldingen lebt, war für ihn der Moment der Entscheidung gekommen. Wieder war es im JuZ, zu dem er immer Kontakt gehalten hatte, wo er Rückhalt fand. JuZ-Betreuer Jens Künster machte ihm Mut, seinen Traum umzusetzen, büffelte mit ihm für die anspruchsvollen psychologischen Tests, die für die Aufnahmeprüfung verlangt wurden. Warum er Polizist werden wollte? "Das waren für mich immer Respektspersonen", sagt er. "Ich habe sie immer als Helfer, immer freundlich erlebt". Und er wolle auch helfen, Menschen beistehen, die Hilfe brauchen. Nicht jeder war über seine Berufswahl glücklich. Seine Mutter sah vor allem die damit verbundenen Gefahren. Und er verlor sogar Freunde.

Unter Jugendlichen hat die Polizei oft kein gutes Image. Das bekommt er nun auch als Polizeimeisteranwärter zu spüren – in Form von Feindseligkeit, Respektlosigkeit. "Da wird man beleidigt, bespuckt," sagt Bilal Isler und findet es wichtig, dann ruhig zu bleiben, zu reden. Kommunikation sei entscheidend, findet er. Und in schwierigen Momenten hilft ihm auch die Leitlinie: "Man muss jeden gleich behandeln". Bei Konflikten mit ausländischen Bürgern hat er festgestellt, dass sie ihn mehr respektieren als deutsche Kollegen. Sie betrachten ihn wohl eher als "einen von ihnen", so deutet Isler das und ist froh, wenn er den deutschen Kollegen auch mit seinen Sprachkenntnissen dienen kann. Kurdisch ist Familiensprache, Türkisch hat er von Freunden gelernt. Es ist aber nicht gut, meint er und erzählt noch eine Anekdote dazu. Bei Familienbesuchen erlebte er bei der Einreise in die Türkei am Flughafen immer unangenehme Diskussionen mit Zollbeamten, die kritisierten, dass sein Türkisch so schlecht sei. Seit er keinen türkischen, sondern nur noch den deutschen Pass hat, passiert ihm das nicht mehr.

Bis heute sind Bilal Isler JuZ-Besuche wichtig. Nun aber in einer anderen Rolle. "Ich freue mich immer, wenn er kommt, er bewirkt viel Positives", stellt Jens Künster fest. Isler ist für ihn "eines von vielen Positivbeispielen von JuZ-Jugendlichen, die relativ geräuschlos den Sprung in die Erwachsenenwelt schaffen und sich als wertvolle Mitglieder unserer Gesellschaft etablieren". Und dies, obwohl sie oft aus benachteiligten Milieus kommen. Bilal Isler selbst findet schön, wenn er ungezwungen mit Jugendlichen ins Gespräch kommt und manchmal nebenbei auch ihre Vorurteile gegenüber der Polizei auflösen kann.

Von Victoria Langelott

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