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Armut war Thema einer Ausstellung und eines Gesprächs im Quartierstreff August-Bauer-Straße

Was heißt Armut in der Statistik und im wirklichen Leben? Wie kommen arme Menschen im Alltag zurecht? Ist Teilhabe unterhalb der Armutsschwelle überhaupt noch möglich? Welche zusätzlichen Belastungen wie Scham und Vereinsamung entstehen als Folge von Armut? Und was kann die Gesellschaft tun, um auch armen Menschen den Zugang zur Gemeinschaft offen zu halten? Diese Fragen waren Thema bei einer Veranstaltung des Caritas-Sozialdienstes im Weiler Quartierstreff in der August-Bauer-Straße. Inspiration für den Austausch zwischen Gästen des Quartierscafés und Fachfrauen der Caritas waren Bilder der Ausstellung „Auf Augenhöhe – Gesichter der Armut“ mit Fotografien von Pasquale D’Angiolillo.

Alljährlich listet der Armutsbericht des Bundes in nackten Zahlen auf, wie sich Armut im Land entwickelt. Von Armut bedroht sind nach statistischer Einordnung alle Personen, deren Haushalt über weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verfügen. Insgesamt sind das 15 Prozent der Bevölkerung, also zwölf bis 13 Millionen Menschen. Besonders stark betroffen sind Haushalte mit Kindern. Vor allem Alleinerziehende – meist sind das Frauen - unterliegen mit 27 Prozent einem besonders großen Armutsrisiko. Bei den Altersklassen sind junge Menschen sowie Senioren besonders stark betroffen.

Mit diesen Zahlen führte Susanne Sprengard, die Fachbereichsleiterin Soziale Dienste beim Caritasverband für den Landkreis Lörrach, in die Thematik ein. Was es mit dieser nüchternen Faktenbasis im alltäglichen Leben auf sich hat, erzählten die Fotografien. Jedes Bild ist zweigeteilt, einmal schauen die Porträtierten direkt ins Auge der Betrachter – daher auch der Titel der Ausstellung – und die andere Hälfte zeigt konkrete Lebenssituationen der Menschen, die nach deren eigener Einschätzung für ihr Leben aussagekräftig sind. Da ist eine Alleinerziehende, die im alltäglichen Überlebenskampf innige Momente mit ihrem Kind bewahren will, oder die früher drogenabhängige Obdachlose, die als Angestellte einer Wärmestube wieder Halt gefunden hat. Andere Personen der Bilderserie verorten sich im Aufzug, als Symbol für das ständige Auf und Ab des Lebens, oder im Dickicht, aus dem man sich herauszukämpfen hat. Hinter jedem Bild stehe eine Geschichte und vor allem eine eigene Würde, die sich die gezeigten Personen erhalten haben, sagte Susanne Sprengard.

Christine Wondrak-Brunen, die im Caritas Sozialdienst für den Bereich Weil/Kandertal zuständig ist, erläuterte im lebhaften Gespräch mit den Quartierstreffgästen, welcher Leistung es bedarf, um mit wenig Geld auszukommen. Empfängern von Bürgergeld, deren Sätze noch einmal deutlich unter den statistischen Armutsgrenzen liegen, stehe pro Tag gerade einmal ein Budget von 8,50  für Essen zur Verfügung. Hinzu komme die emotionale Schwelle, die für viele einer gesellschaftlichen Teilhabe entgegenstehe. Armut, so machte Christine Wondrak-Brunen deutlich, gehe oft mit Scham einher, weshalb sich arme Menschen häufig zurückziehen.

Die Besucher des Quartierscafés waren sich einig, dass es oft an Kommunikation und Information fehle. Viele wüssten nicht, wo es Treffpunkte ohne Konsumzwang gebe, und diejenigen, die solche Orte kennen, wüssten oft zu wenig von betroffenen Mitmenschen. Ist der Kontakt einmal hergestellt sei es leicht, an einem Ort wie dem Quartierstreff in die Mitte genommen zu werden, berichteten Teilnehmende. Für Brigitte Lill, die den Quartierstreff leitet, war dies ein Beleg dafür, dass es neben der gegenseitigen Offenheit „physische Räume“ wie den Quartierstreff brauche, wo Menschen niederschwellig empfangen werden.

*Brigitte Lill (Leiterin Quartierstreff), Christine Wondrak-Brunen (Caritas-Sozialdienst Weil am Rhein / Kandertal) und Susanne Sprengard (Leiterin Caritas Sozialdienst im Kreis Lörrach)