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Wohnungsnot: Neue Landesregierung soll tätig werden
Wohnarmut und Wohnraumnot haben sich in Baden Württemberg zu einer der drängendsten sozialen Fragen entwickelt. Immer mehr Menschen können sich ihre Wohnung nicht mehr leisten oder verlieren ihren Wohnsitz – trotz Arbeit, Rente oder staatlicher Unterstützung. Darauf machten Caritas und Diakonie in Baden-Württemberg bei einem gemeinsamen Pressegespräch aufmerksam. Sie erwarten von der neuen Landesregierung entschlossenes Handeln.
Bezahlbarer Wohnraum fehlt landesweit: In vielen Städten und ebenso in immer mehr Landkreisen übersteigen die Mieten inzwischen das monatlich verfügbare Haushaltsbudget deutlich. Besonders betroffen sind Haushalte mit geringem Einkommen, Familien mit Kindern, Alleinerziehende, aber auch Alleinlebende, ältere Menschen und zunehmend junge Erwachsene. Gleichzeitig geraten präventive Hilfen wie Fachstellen zur Wohnungssicherung unter Druck oder werden ganz gestrichen – mit gravierenden Folgen für die Betroffenen sowie für die Kommunen. „Zunehmende Armut und Wohnungslosigkeit verhindern die soziale Teilhabe einer wachsenden Bevölkerungsgruppe, verringern Bildungschancen und gefährden damit soziale Stabilität und Sicherheit“, erklären die vier kirchlichen Wohlfahrtsverbände.
Wohnarmut beginnt nach Einschätzung der kirchlichen Wohlfahrtsverbände in Baden-Württemberg lange vor Wohnungslosigkeit. Sie zeige sich dort, wo Menschen einen immer größeren Teil ihres Einkommens für Miete aufbringen müssen und die Mittel für ein angemessenes Leben immer geringer werden. Dies sei kein individuelles, sondern ein strukturelles Problem – und es betreffe längst nicht mehr nur einzelne Gruppen, sondern reiche tief in die Mitte der Gesellschaft. „Bezahlbares Wohnen ist ein existentielles Grundrecht“, betont Oberkirchenrätin Sabine Jung, Vorstandsvorsitzende der Diakonie Baden im Namen der baden-württembergischen Wohlfahrtsverbände. Nach Einschätzung von Caritas und Diakonie sei die Lösung von Wohnungsnot die zentrale Zukunftsfrage für Baden-Württemberg. Mit der neuen Landesregierung eröffne sich die Chance, diese drängende soziale Frage anzugehen und bezahlbaren Wohnraum als Daseinsvorsorge zu begreifen. Dafür brauche es jetzt klare Prioritäten und verlässliche Entscheidungen, betonen Caritas und Diakonie.
Die kirchlichen Wohlfahrtsverbände sehen insbesondere in der Stärkung der Prävention einen entscheidenden Schlüssel: Wohnungsverlust muss verhindert werden, bevor er eintritt. Beratungs- und Fachstellen zur Wohnungssicherung sind unverzichtbar und deshalb landesweit vorzuhalten. Kürzungen in diesem Bereich verschärfen die Wohnungsnot und führen langfristig zu höheren gesellschaftlichen Folgekosten. Zugleich braucht es deutlich mehr bezahlbaren Wohnraum.
Neben einem starken sozialen Wohnungsbau ist es notwendig, bestehende Potenziale besser zu nutzen. Der Umgang mit Leerstand ist dabei ein zentraler Hebel – sozial, wirtschaftlich und ökologisch. „Wir können es uns nicht leisten, Wohnraum leer stehen zu lassen, während Menschen verzweifelt eine Wohnung suchen“, erklärt Dr. Annette Holuscha-Uhlenbrock, Vorständin des Caritasverbandes Rottenburg-Stuttgart. „Die Mobilisierung von bestehendem Wohnraum ist deutlich günstiger als Neubau und wirkt schnell. Dafür brauchen bewährte Modelle wie die Kirchliche Wohnrauminitiative eine verlässliche öffentliche Förderung.“
Caritas und Diakonie in Baden-Württemberg erwarten von der neuen Landesregierung, die Bekämpfung von Wohnarmut und Wohnungsnot als verbindliches Ziel in der Landespolitik zu verankern – als soziale Kernfrage der Regierungsarbeit. Entscheidend sind dafür klare Maßnahmen. Caritas und Diakonie fordern deshalb, mehr sozial gebundener Wohnraum, eine konsequente Nutzung von Wohnungsbeständen, die Mobilisierung von Wohnraum mit bis zu fünf Prozent der neuen Landeswohnbauförderung, realitätsgerechte Wohnkostenübernahmen sowie eine verlässliche Finanzierung der Wohnungsnotfallhilfe.
Die vier kirchlichen Wohlfahrtsverbände sind: Caritasverband für die Erzdiözese Freiburg, Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart, Diakonisches Werk Baden, Diakonisches Werk Württemberg. Sie engagieren sich für die Interessen von armen, benachteiligten und hilfebedürftigen Menschen. Als Dachverbände vertreten sie mehr als 7.500 evangelische und katholische Einrichtungen und Dienste, in denen rund 1,5 Millionen Personen betreut und begleitet werden. In den Verbänden arbeiten rund 173.000 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
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